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Warum Nikolaus ein Pfälzer ist

    Wie sieht der „echte“ Nikolaus aus? Und was hat Martin Luther mit dem blond gelockten Christkind zu tun? Diesen Fragen widmet sich unsere Kolumne „Geschichten aus der Geschichte“. Von Timo Benß

    Er kommt jährlich am 6. Dezember, trägt einen roten Mantel und hat einen Sack mit Süßigkeiten dabei. Die Rede ist vom Nikolaus. In der Pfalz wird er auch Belznickel genannt – wegen seines weißen Pelzbesatzes auf dem Mantel. In Amerika kommt der Santa Claus in der Nacht zum 25. Dezember. Aber haben wir den Santa Claus nicht aus Amerika importiert? War es nicht eine Erfindung von Coca-Cola?

    Nicht ganz. Coca-Cola benutzt Santa Claus erst seit 1931. In einer Werbekampagne platzierten sie den Mann mit dem Rauschebart, weil er die Farben des Unternehmens trägt. Und der Getränkehersteller wirbt noch heute damit. 

    Der Pfälzer Auswanderer Thomas Nast hat aber schon 1881 einen Nikolaus gemalt, wie wir ihn heute noch kennen – mit Mantel und Rauschebart. Nast ist in Landau aufgewachsen. Man geht davon aus, dass er den Belznickel aus seiner Kindheitserinnerung heraus gezeichnet hat. Das würde dafür sprechen, dass es den heute bekannten Nikolaus bereits im 19. Jahrhundert in der Pfalz gegeben hat.

    Doch auch in Amerika scheint er da bereits angekommen zu sein: 1822 schrieb der amerikanische Schriftsteller Clement Clark Moore von einem Mann mit rotem Mantel. Auch im „Struwwelpeter“ von 1844 ist Nikolaus mit Bart, Mantel und Mütze dargestellt. Da hat an Coca-Cola noch niemand gedacht.

    Nur echt mit Mitra?

    Es gibt auch weitläufig die Meinung, den „echten“ Nikolaus könne man nur auf eine Art und Weise darstellen: als  Bischof mit Stab und Mitra. Doch das Original, Nikolaus von Myra, der um 300 nach Christus gelebt hat, hat vermutlich nie die Kleidung eines modernen römisch-katholischen Bischofs getragen. Wahrscheinlich trug er eine einfache römische Tunika, wie sie die meisten Geistlichen in dieser Zeit trugen.

    Ganz so weit hergeholt sind der rote Mantel und die Mütze beim Nikolaus auch nicht, wenn man auf die Darstellung als Bischof setzt. Ein bisschen erinnert die Kleidung an den Camauro, eine mit Hermelinfell gefütterte Mütze, die etwa der Papst außerhalb der Liturgie trägt. Und nein: Den hat nicht Coca-Cola bezahlt.

    In Pennsylvania, wo sich viele Pfälzer Auswanderer angesiedelt haben, sieht der Belznickel heute ganz anders aus: Er ist dunkel gekleidet, hat ein dunkelgraues Gesicht und Hörner auf dem Kopf. Den Kindern macht er Angst, die Erwachsenen unterhält er mit lustigen Sprüchen. Besonders fies: Statt den Bösen die Rute und den Guten Süßigkeiten zu geben, wirft er allen Kindern Süßigkeiten hin. Damit lockt er sie aber in einen Hinterhalt. Wer sich bückt, wird mit der Rute geschlagen. Es soll einerseits zeigen, dass Gutes und Böses oft beieinander liegen, andererseits will man Kinder damit zu Genügsamkeit erziehen.

    Luther macht den Nikolaus arbeitslos

    Bereits von Martin Luther wissen wir, dass der Nikolaus Geschenke brachte. Doch das gefiel dem Reformator nicht so sehr. Jedenfalls setzte er seit 1531 in seiner eigenen Familie auf das Christkind. Das lag an seiner ablehnenden Haltung zur Heiligenverehrung. Später, als sich die Reformation weiter ausbreitete, wurde Nikolaus bald ganz verdrängt.

    Ein gutes Beispiel gibt Martin Behm. Der Pfarrer und Liederdichter („Wie lieblich ist der Maien“) predigte 1608: „daß etliche Eltern den Kindern etwas auf das Bett legen und sagen: Sankt Nikolaus hat es beschert, welches ein böser Brauch ist, weil dadurch die Kinder zum Heiligen gewiesen werden, da wir doch wissen, daß nicht Sankt Niklas, sondern das heilige Christkindlein alles Gute an Leib und Seele bescheret, welches wir auch allein darum anrufen sollten.“

    Doch wie wurde Jesus Christus, der als Kind in einer Krippe liegt, zu einem meist weiblich gelesenen Christkind mit blonden Locken und weißem Kleid? Das ist noch älter und hat seinen Ursprung in Krippenspielen und Weihnachtsumzügen. Dort wurde das Neugeborene meist als Mädchen mit weißem Kleid dargestellt, um die Unschuld zu symbolisieren.

    Als die protestantischen Theologen aus dem 16. und 17. Jahrhundert vom Christkind sprachen, wurde es in der Bevölkerung meist auch so assoziiert. Ein Säugling konnte ja schlecht Geschenke bringen.

    Heute spielt die Konfession keine große Rolle mehr bei der Frage, ob der Nikolaus oder das Christkind die Geschenke bringen. Denn meistens kommen beide: der Nikolaus am 6. Dezember und das Christkind an Heiligabend. In einigen Regionen Deutschlands kommt  der Nikolaus sogar zweimal, nämlich an Heiligabend in Form des Weihnachtsmannes. Von wen die Geschenke kommen, ist sowieso egal – Hauptsache sie kommen von Herzen.

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